Mein Mailprovider wendet mehrere Anti-Spam-Maßnahmen an, die nach seiner Aussage höchst effizient sind. Er bietet jedoch bewusst keine Möglichkeit an, dass der User eigene Regeln festlegen kann, um Mails als Spam auszufiltern. Grund ist vor allem, dass ein gutes Regelwerk sehr gute Kenntnisse des Mediums E-Mail auf technischer Ebene erfordert, die die wenigsten haben – auch ich nicht, weshalb ich auch gerne auf fremde Kompetenz vertraue. Soweit gebe ich ihm Recht und akzeptiere diese Entscheidung.

Leider ist es so, dass ich trotzdem alle naselang Spam kriege. Und zwar, seitdem ich die Domain humanetasking.net registriert habe, denn da habe ich die Mailadresse bei diesem Provider eintragen lassen.

Das ist nicht weiter schlimm, löschen und gut ist, wie es jeder macht. Schwerer wiegt allerdings, dass der E-Mail-Client auf meinem Smartphone jedes Mal einen Ton von sich gibt und unnötig für Ablenkung sorgt. Das muss nicht sein! Klar, ich könnte die akustische Benachrichtigung überhaupt ausschalten oder eben nach einer Alternative suchen, die sich so einstellen lässt, dass nur bei Mails von bekannten Absendern eine akustische Benachrichtigung erfolgt.

Allerdings bin ich der Meinung, dass man weiter grundsätzlich über effiziente Spambekämpfung nachdenken sollte. Vollautomatische regelbasierte Ansätze bringen es nicht allein.

In diesem Artikel stelle ich eine weitere Idee vor.

Akreditierung von Absendern

Wie wäre es, wenn E-Mail beim Zielprovider grundsätzlich in zwei Klassen eingeteilt werden: In E-Mails, bei dem der Absender lt. Adressbuch des Nutzers bekannt ist und E-Mails, bei denen dies nicht der Fall ist? Das ist erst einmal nicht neu. Viele Mailprovider dürften so verfahren, zumindest wenn das Adressbuch serverseitig gepflegt wird. Dies wirft aber u.U. datenschutzrechtliche Probleme auf.

Wenn serverseitig zumindest die Adressen in einer eigenen Adressbuchabteilung wie „Akreditierte Absender“ gespeichert werden, jeweils ohne irgendwelche assoziierten Daten wie Name, Telefonnummer etc., sehe ich kein Problem darin. Im Folgenden fasse ich auch diese Adressen als „bekannt“ auf.

Auch gelten alle Empfänger, an die man selbst E-Mails richtet, als akreditiert, denn man möchte in der Regel eine Antwort, würde sie zumindest nicht als Belästigung empfinden.

Zurückhaltung von E-Mails

Je nachdem, ob der Absender einer bestimmten E-Mail bekannt ist oder nicht, wird diese Mail unterschiedlich behandelt.

  • wenn ja, kommt sie direkt in den Posteingang und gilt als ungelesen.
  • wenn nicht, wird sie zunächst in einen Ordner „Zurückgehalten“ und bekommt das Flag „gelesen“. Dieser Ordner kann als Zwischending von Posteingang und Papierkorb begriffen werden. Mails darin werden nach einer festgelegten Zeitspanne gelöscht.

Digest

Auch diese Teilidee ist nicht neu: Die Software von Mailinglisten bieten seit jeher die Möglichkeit an, statt der Sendung der Beiträge in einzelnen E-Mails alle Beiträge in einer Sammel-E-Mail zu schicken.

Übertragen auf meine Idee könnte in regelmäßigen Intervallen eine E-Mail geschickt werden, die zu jedem Neuzugang im Ordner „Zurückgehalten“ entscheidende Metadaten auflistet.

Diese E-Mail geht natürlich wie üblich in den Posteingang und ist ungelesen. Insgesamt könnte sie etwa lauten:

Guten Tag Herr Heß,

Sie haben in den serverseitigen Maileinstellungen festgelegt, dass E-Mails unbekannter Absender zurückgehalten werden sollen. Seit dem {Datum} wurden {Anzahl} neue E-Mails im Ordner „Zurückgehalten“ gespeichert. Es folgt eine Liste mit den jeweiligen wichtigsten Metadaten.

Nach der Liste folgen weitere Informationen.

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From: Name <mail@dres.se>
Subject: Re: Mobile Apps Development !!
Date: Tue, 18 Oct 2016 10:39:22 +0000
First words: Hi, I hope business is keeping you busy! I Just
Message-ID: KL1PR0201MB165697BB8C42069263ADBEE291D30@KL1…

From: …

{weitere Einträge}

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Gern verschieben wir Ihnen diese Mails in den Posteingang und setzen sie auf den Status „ungelesen“. Bitte antworten dazu Sie einfach auf diese Mail. Lassen Sie dabei das Antwortzitat intakt. Unbedingt müssen die Message-Ids enthalten bleiben, denn darauf basierend funktioniert das automatische Verfahren.

Um bestimmte Mails nicht zu verschieben, sondern unwiderruflich zu löschen, entfernen Sie aus dem Antwort-Zitat einfach den entsprechenden Eintrag, mindestens die jeweilige Message-Id. Wenn Sie wünschen, können wir umgekehrt auch alle Mails verschieben, die nicht enthalten sind. Schreiben Sie dazu einfach das Wort „EXCEPT“ an den Anfang der Antwort. Nur dieses Wort und etwaige enthaltene Message-Ids werden maschinell berücksichtigt, alles andere wird ignoriert.

Die Absender-Adressen der verschobenen E-Mails werden im Bereich „Akreditierte Absender“ in Ihrem serverseitigen Adressbuch gespeichert, außer denjenigen, die bereits im Adressbuch auf dem Server enthalten sind. So gelangen Folge-E-Mails dieser Absender automatisch in den Posteingang.

Bitte beachten Sie, dass nach einer Antwort auf diesen Digest der Ordner „Zurückgehalten“ geleert wird. Es ergibt daher keinen Sinn, auf mehrere Digests in Folge zu antworten. Stattdessen kopieren Sie bitte die Message-Ids der gewünschten bzw. zu Mails aus früheren Digests mit in dieselbe Antwort.

Alternativ können Sie natürlich gewünschte Mails mit Ihrem E-Mail-Programm aus dem Ordner „Zurückgehalten“ in beliebige Mailordner verschieben.

Ist das effektive Spambekämpfung?

Es ist indirekte Spambekämpfung. Nicht der Spam selbst wird dadurch verhindert, sondern dem Spam wird erschwert, Aufmerksamkeit zu binden. Denn auch den Spamcharakter einer E-Mail zu erkennen setzt Aufmerksamkeit voraus.

Eben dadurch, dass Mails unbekannter Absender auf das für diese Entscheidung nötige zusammengeschmolzen, dass alle diese Mails auf diese Weise in einer einzigen zusammengefasst werden, wird der Bedarf an Aufmerksamkeit, die das manuelle Aussortieren von Spam benötigt, stark reduziert.

Und letztendlich verliert so Spam auf Anbieterseite stark an Attraktivität. Spammer müssen also zunehmend auf andere Tätigkeitsfelder ausweichen. Der Sumpf wird ausgetrocknet, das Geschäftsmodell ist schließlich keines mehr.