Ich stehe aktuell vor dem Problem, dass die Test-Userbase, konkreter die Userbase auf meiner Online-Testinstanz von FlowgencyTM, noch etwas klein ist. Zugegeben – sie ist eigentlich noch gar nicht existent.

Es geht also um Werbung. Ich kann Werbung nicht leiden, besonders wenn sie aufdringlich ist. Um mein Projekt bekannt zu machen und Beta-Tester zu finden, muss ich also etwas tun, was ich eigentlich nicht möchte, worin ich auch nicht leidenschaftlich anstrebe gut zu sein, aber woran nun einmal kein Weg vorbei führt. Das endet bei einem Kompromiss zwischen Selbstverrat und dem Erreichen eines Ziels, statt nur davon zu träumen. Der Clou liegt bei der Wahl der Mittel.

Fanpage auf Facebook? Sorry, ist nicht drin, da war ich mal, und das auch nur kurz. Nein, ich möchte nicht zu diesem Netzwerk gehören, zumindest nicht bewusst. Schon dass die dank meiner Freunde Daten über mich haben, reicht mir zur Genüge.

Professionelle Marketingagenturen? Geht nicht, weil mein Projekt 0% kommerziell ist, ich ein solches Engagement folglich gar nicht refinanzieren könnte. Und andere etwas machen zu lassen, was mich selbst üblicherweise nur nervt, wäre ohnehin schlicht verlogen, zumal es auch auf Seiten der Profis kein produktives Arbeiten mit mir wäre. Schon mein Versuch, eine Marke zu registrieren, war nicht von Erfolg gekrönt. Heute kann ich sagen, zum Glück. Und es gibt ja immer noch den Titelschutz.

Soziale Medien betreffend, ist für mich maximal ein Twitterkanal drin. Grundsätzlich lege ich im Rahmen meiner Humane Tasking Initiative großen Wert darauf, dass alle Werbung informativ ist, aber nicht aufdringlich. Ich bin nun mal Nerd, kein Marktschreier.

Nicht nur das erschwert meine Suche nach Betatestern. Eine noch höhere Barriere sind auch die Terms of Service der Online-Demo-Instanz. Die sind völlig anders als üblich. Ich habe die Überschrift explizit um »Special Agreement« erweitert, damit niemand auf die Idee komme, ich müsste mich an das AGB-Gesetz oder so halten. Das Ding ist wie gesagt nicht kommerziell, kann es auch gar nicht sein, da sie auf Vereinshardware läuft. Unter anderem ist es mir daher nicht möglich, Echtdaten von anderen Leuten zu speichern. Zumindest keine inhaltlichen; ohne echte Anmeldedaten könnte ich das mit der Online-Demo-Instanz sowieso vergessen.

Aber auch technisch sind die ToS eine wirksame Barriere. Ganz bewusst belasse ich es nicht dabei, einen neuen User eine Checkbox I accept the terms anklicken und mir egal sein zu lassen, ob er sie tatsächlich liest, überfliegt oder sich selbst dafür keine Zeit nimmt. Nicht nur muss man sie tatsächlich lesen, um den oder die Fake-Paragrafen herauszufinden und nebenstehendes You’re kidding? anzuklicken. Auch die anderen, verbindlichen sind nicht ohne Bemerkungen gegen die Software, sogar gegen technisch implementiertes mental enhancement überhaupt. Immerhin erstrecken sie sich nur über eine bis anderthalb Seiten, verglichen mit anderen Diensten ein Klacks.

Kurz: Objektiv muss ich mir die Frage gefallen lassen, ob ich Betatester nun will oder nicht. Meine Antwort darauf ist ein klares »Ja, aber …« – siehe oben.

Ich habe mir daher etwas einfallen lassen, und bin zur Zeit noch bei der Entwicklung dieses Features. Es geht darum, wenigstens diejenigen Interessenten zu erreichen, die die auf der Homepage verlinkten Videos gesehen haben, die das Konzept schon mal durchaus anspricht, aber die noch zögern, das Tool lokal zu installieren bzw. besagte ToS-Barriere zu nehmen.

Idee: »Showcase Users«

Es gibt ja schon eine Einstellung im Profil eines Users, das Feld heißt extprivacy, deren Default 0 ist. Alle User mit dem Wert 0 sind gemäß der von ihnen akzeptierten ToS damit einverstanden, dass ihre Daten außer Benutzername, Passwort und E-Mail, in öffentlich gestellten Datenbank-Dumps landen können. Diese Dumps können gemäß der Creative Commons Zero-Lizenz von jedermann frei weiter verwendet werden.

Neue User, die bei Paragraf 2 „I want extended privacy for real data“ angeklickt haben, werden entweder gelöscht, nachdem ich sie per Mail aufgeklärt habe, dass diese Einstellung – wie in Absatz 2d erklärt – leider nur denen vorbehalten ist, die projektunabhängig in meinem Adressbuch stehen und die ich in einem Telefongespräch darüber aufgeklärt habe, wer faktisch Zugriff auf die Daten hat und ob sie die Software nicht eher lokal bei sich installieren möchten (ggf. mit meiner Hilfe) … Oder sie sind dann halt so eine Art »Premium«-User, bei denen extprivacy = 1 ist und deren Daten daher nicht in diesen Dumps landen.

Das Flag könnte nicht nur 0 oder 1 sein, sondern auch NULL. Vom Sinn her wäre das dann sowas wie -1, also »noch weniger Datenschutz«. Auf 0 oder NULL wird üblicherweise mit derselben Anweisung getestet, weil das eine wie das andere boolean false ergibt, man sie bei Bedarf aber mit einem Definiertheitstest auseinanderhalten kann.

User mit undefinierter, also geNULLter extprivacy sind sogenannte Showcase Users. Also so etwas wie, glaube ich, Millionen bei Facebook, die sich nicht die Mühe machen, regelmäßig ihre Privatsphäre-Einstellungen zu überprüfen. 😉 Showcase Users unterscheiden sich von normalen Usern dadurch, dass jedermann sich über ihren Account FlowgencyTM angucken kann, wie es in der aktuellen Version ist. Das ist ein Nachteil der Videos, die veralten recht schnell. Ich meine tatsächlich angucken, nicht ausprobieren – nur Requests mit der HTTP-Methode GET sind dabei möglich, also alles, was über eine URL im Browser aufgerufen werden kann. POST– und andere Requests werden mit einer Fehlermeldung quittiert. Manipulation von Daten durch Fremde müssen also auch Showcaser nicht befürchten, wo doch, habe ich Mist gebaut und muss diese Lücken schließen.

Showcase-Zugriff auf FlowgencyTM ist möglich, in dem man im Browser in der URL vor der Domain user_id@ einfügt. Fragt der Browser nach einem Passwort, wird alles akzeptiert, spielt keine Rolle, und wenn es nur ein Leerzeichen ist. Wenn der Browser ganz leer nicht akzeptiert, überhaupt danach fragt.

Auch reguläre User können auf Anfrage an mich Showcaser werden. Zumindest wenn ich ihnen vertraue, schließlich können sie so alles mögliche veröffentlichen. Showcasers, die regulär werden möchten, brauchen ihren Status nur im Profil revidieren.